lieber Alkohol, …

ich erinnere mich gern an dich. Denn das schlimmste weiß ich ohnehin nicht mehr.

Und das ist gut so.

Dacht ich immer.

Aber dann fragte ich mich: Was ist gut daran, sich an etwas nicht erinnern zu können?

Wie oft ich mir Geschichten so mancher Nächte über Dritten mit zugedrücktem Auge anhören musste.
Wie oft ich mich selber fragte, was ich denn stundenlang in Anwesenheit selbst zugedröhnter Menschen wohl von mir gegeben habe.
Und wie oft ich selbst laange überlegte, was zwischen Tanzeinheiten und das nächste Bier holen wohl geschehen sein möge.

Wenn ich wen anderes fragen muss, ob ich denn Spaß hatte..
..hört der Spaß auf.

Wieso befördern wir uns mit literweise Spritzer und Bier vor 12 ins Knockout, wenn uns am nächsten Tag ein Gefühl der Ungewissheit und Fragwürdigkeit mit einer ergiebigen Portion an Pochen an der linken Schläfe plagt?

Warum sagen wir uns an jedem Tag danach „nie wieder“, wenn wir insgeheim wissen, wo wir uns nächsten Samstag wiederfinden,
und mit wem an der, sry – in der Hand.

Alkohol, du hast eine Gabe Menschen zusammenzubringen. Denn du weißt genau, wonach sich jeder von uns sehnt. Du weißt, was wir wollen und vor allem was wir brauchen.
Du löst in uns ein Zustand der Sorglosigkeit, der Unbekümmertheit aus und versorgst uns mit einem Lachen im Gesicht, welches nicht selten auch unseren Bauch durchdringt.

Wie können wir dir jemals untreu sein, wenn mit dir unsere Welt ein kleines bisschen erträglicher wird. Auch wenn nur für den Moment, für den Abend oder die Nacht.

Doch der Morgen kommt. Und die Kopfschmerzen lassen uns ebenfalls nicht im Stich.
So mancher steckt es gut weg. So anderer liegt für 2 Tage flach.

Du meinst es nur gut, das ist mir schon klar. Und ich versteh dein Motiv, dein Anliegen, dein Zweck. Aber wie kann etwas so gut tun, und gleichzeitig so schlecht?
Ich möchte nichts missen, das ist meine Angst. Doch wenn ich dich lasse, geht vielleicht mehr als ich will.
Mit was stoß ich an, wenn nicht mal mit Kräuterschnaps? Und wie halt ich aus, was ich nun nüchtern ertragen muss?

Du bringst mich in ein Dilemma. Wie eine Droge die mich festhält.
Festhält an Erinnerungen von damals, und diese die noch kommen.

Ich will das eine und das andere. Geht das denn nicht? Denn ich will nichts opfern, was ich ohnehin so oft vermiss.

Wir leben in einer Gesellschaft, die das Leben um dich feiert. Geburtstage, Hochzeiten und Abschlussfeiern, deine Präsenz riecht man immer.
Und auch beim abendlichen Ausklang (for no reason at all) „ein Gläschen gefällig?“ ..aber so wie wir nun mal sind, finden wir immer einen Grund.
Und wenn wir einen Raum betreten, sei es eine Party oder ein Event, dann laufen wir als erstes zu dir (nach dem Klo), denn was du uns gibt, ist ein Gefühl der Sicherheit… mir dir stehen wir nicht allein.

Du siehst, ich will dich nicht nur trinken, sondern auch vom Schreiben komm ich nicht los von dir.

Vielleicht muss ich einsehen, dass wir zwei für immer eine Hass-Liebe Beziehung führen werden.
Der Abend voll Liebe, der Morgen voll Hass.

Und doch frage ich mich: Sind denn nicht die besten Dinge im Leben auch von beidem erfüllt?

Solang diese Tradition, unsere Gläser mir dir zu erheben,
und solang wir zusammenschweißend „zam zam zam“ rufen, um die Freude am Leben zu feiern…
…Solange werde ich mit dir, liebe Substanz chemischer Verbindungen die eine Hydroxy-Gruppe enthält, noch vielen weitere Erinnerungen teilen.

Aber damit diese Erinnerungen auch wirklich welche werden, und nicht im Sumpf des Unterbewusstseins für immer verschwinden, sehe ich mich dazu veranlasst, 2 aus 5 Getränken mit deiner Schwester H²0 auszutauschen.
Um dem mal optimistisch heranzugehen.

Und wer weiß…vielleicht werden von nun an alle feier-würdigen Tage von mehr getragen, als nur von dir.

Denn wie schön sind geteilte Momente mit Menschen die man feiert, wenn man sich an jedes Wort, welches uns zum lachen brachte, erinnert?

Und wie schön ist es, am nächsten Tag aufstehen zu können,
ohne Schmerz und ohne Übel, und den Tag nicht nur aus der Couch-Perspektive zu erleben?

..oder im Stande zu sein, mit seinen Lieben weiterfeiern zu können 😉

Prost!

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2 Kommentare zu „lieber Alkohol, …

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